Ratgeber

WordPress oder statische Website? Vor- und Nachteile für KMU

Redaktionssystem mit Updates oder schlanke Dateien ohne Wartung: Ich zeige Ihnen, worin sich die beiden Bauweisen im Alltag unterscheiden und welche zu Ihrem Betrieb passt.

Kurz gesagt: WordPress spielt seine Stärken aus, wenn Sie oft selbst Inhalte veröffentlichen, mehrere Personen mitarbeiten oder später Funktionen wie einen Shop ergänzen wollen – dafür braucht es laufend Updates. Eine statische Website ist schnell, robust und fast pflegefrei, passt aber vor allem zu Auftritten, deren Inhalte sich nur selten ändern. Keine Bauweise ist grundsätzlich besser; entscheidend ist, wie Sie Ihre Website im Alltag nutzen.

1. Zwei Bauweisen, zwei Prinzipien

Hinter den beiden Begriffen stecken grundverschiedene Ansätze. Bei WordPress liegen Ihre Texte und Bilder in einer Datenbank. Ruft jemand eine Seite auf, setzt ein PHP-Programm auf dem Server die Seite aus Datenbank, Design-Vorlage (Theme) und Erweiterungen (Plugins) zusammen. Sie selbst arbeiten in einer Verwaltungsoberfläche im Browser, ähnlich wie in einem Textprogramm.

Eine statische Website besteht dagegen aus fertigen Dateien: HTML für den Inhalt, CSS für die Gestaltung, dazu Bilder und Schriften. Der Server schickt diese Dateien unverändert an den Browser – ohne Datenbank und ohne Programm, das bei jedem Besuch rechnet. Geändert wird direkt im Quelltext, in der Regel von der Person, die die Website gebaut hat.

WordPress selbst ist freie Open-Source-Software unter der GPL-Lizenz (wordpress.org) und kostet keine Lizenzgebühr. Für den Betrieb braucht es aber einen Server mit PHP und einer MySQL- oder MariaDB-Datenbank; die empfohlenen Versionen nennt WordPress auf der Seite zu den Server-Anforderungen. Eine statische Website läuft auf praktisch jedem Webhosting.

2. Pflegeaufwand: Wer ändert was?

Im Alltag nach dem Launch zeigt sich der grösste Unterschied.

  • WordPress: Sie melden sich an, passen einen Text an, laden ein Foto hoch und speichern. Das klappt nach einer kurzen Einführung ohne Programmierkenntnisse. Im Gegenzug müssen WordPress, das Theme und alle Plugins regelmässig aktualisiert werden – und nach jedem grösseren Update sollte jemand kontrollieren, ob Formulare, Menüs und Darstellung noch stimmen.
  • Statische Website: Es gibt kein System, das veraltet und Updates verlangt. Dafür ändern Sie Inhalte nicht selbst per Mausklick, sondern schicken die Änderung Ihrem Webdesigner. Neue Ferienzeiten sind so rasch erledigt; wer aber jede Woche neue Beiträge publiziert, wird damit nicht glücklich.

Eine ehrliche Frage hilft bei der Einschätzung: Wie oft haben Sie in den letzten zwölf Monaten etwas an Ihrer Website angepasst? Wenn es um ein paar Preise, ein neues Teammitglied und die Betriebsferien ging, brauchen Sie kein Redaktionssystem. Wenn Sie regelmässig News, Projekte oder Fachbeiträge veröffentlichen möchten, sieht die Rechnung anders aus.

3. Sicherheit und Updates

Jede Software, die auf einem Server läuft, kann Schwachstellen enthalten. Bei WordPress betrifft das den Kern, das Theme und jedes Plugin einzeln. Die offizielle Sicherheitsanleitung von WordPress ist deshalb deutlich: WordPress aktuell halten, weil ältere Versionen keine Sicherheitsupdates mehr bekommen; Plugins immer aktualisieren und nicht genutzte löschen; Erweiterungen nur aus dem offiziellen Verzeichnis oder von bekannten Firmen beziehen.

Einen Teil der Arbeit übernimmt WordPress selbst. Kleinere Versionen des Kerns und Übersetzungen werden standardmässig automatisch eingespielt. Plugins und Themes aktualisiert WordPress laut eigener Dokumentation zu Updates dagegen nur in Sonderfällen automatisch, etwa wenn das Sicherheitsteam eine kritische Lücke schliessen lässt. Den Rest muss jemand im Blick behalten – Sie selbst oder eine Wartung.

Auch Updates haben ihre Tücken: Ein neues Plugin-Update kann sich mit dem Theme oder einer anderen Erweiterung beissen. Vor grösseren Aktualisierungen gehört deshalb ein Backup, das sich im Notfall auch wirklich zurückspielen lässt.

Bei einer statischen Website ist die Angriffsfläche wesentlich kleiner: Auf der Website selbst gibt es keine Anmeldeseite, keine Datenbank und keinen Programmcode, der bei einem Aufruf ausgeführt wird. Wichtig bleiben ein sicheres Hosting, ein gültiges SSL-Zertifikat und – falls vorhanden – ein sauber programmiertes Kontaktformular.

4. Ladezeit

Eine statische Seite liegt fertig auf dem Server und wird direkt ausgeliefert. WordPress muss die Seite zuerst erzeugen. Die WordPress-Dokumentation empfiehlt deshalb Caching: Seiten werden als statische Dateien zwischengespeichert und so ausgeliefert, was den Server entlastet.

In der Praxis entscheidet aber weniger das System als die Umsetzung. Ein schlankes Theme mit wenigen Plugins und gutem Caching kann flott sein; eine statische Seite mit unkomprimierten Fotos kann träge werden. Häufige Bremsen sind:

  • grosse Bilder, die nicht für das Web verkleinert wurden,
  • Page-Builder, die viel zusätzlichen Code mitbringen,
  • eingebundene Schriften, Karten und Skripte von Drittanbietern,
  • Plugins, die auf jeder Seite laden, obwohl sie nur auf einer gebraucht werden.

Die Ladezeit ist nicht nur eine Frage der Geduld Ihrer Besucher. Google schreibt zu den Core Web Vitals, dass diese zusammen mit weiteren Aspekten der Nutzererfahrung dem entsprechen, was die Ranking-Systeme belohnen möchten (Google Search Central). Mehr dazu lesen Sie auf meiner Seite zu SEO & Sichtbarkeit.

5. Kosten über mehrere Jahre

Ob eine Website günstig ist, zeigt sich erst über ihre Lebensdauer. Diese laufenden Posten unterscheiden sich:

  • Beide Varianten: Domain und Hosting. WordPress braucht ein Hosting mit PHP und Datenbank, eine statische Website kommt mit einfachem Webhosting aus.
  • WordPress: Zeit oder Geld für Updates, Backups und Kontrolle. Dazu kommen allenfalls jährliche Lizenzen für Premium-Themes oder kostenpflichtige Plugins.
  • Statische Website: Änderungen, die Sie nicht selbst machen können, erledigt der Webdesigner – einzeln oder im Rahmen eines Wartungspakets.

Ein Rechenbeispiel mit meinen eigenen Preisen: Möchten Sie die Updates Ihrer WordPress-Website abgeben, kostet die Wartung Basis CHF 39.– pro Monat. Das sind CHF 468.– pro Jahr oder CHF 1'404.– über drei Jahre. Machen Sie die Updates selbst, fällt dieser Betrag weg – dafür setzen Sie eigene Zeit ein und tragen das Risiko, wenn etwas schiefgeht. Bei einer statischen Website ist eine laufende Wartung nicht zwingend. Wenn Sie regelmässig kleine Änderungen wünschen, deckt die Wartung Plus für CHF 79.– pro Monat bis zu einer Stunde Anpassungen pro Monat ab. Beide Pakete sind monatlich kündbar; Details stehen unter Wartung & Hosting. Was eine Website insgesamt kostet, habe ich im Artikel Was kostet eine Webseite in der Schweiz? aufgeschlüsselt.

6. Der Vergleich auf einen Blick

WordPress und statische Website im Vergleich
KriteriumWordPressStatische Website
Inhalte ändernselbst, in der Verwaltungsoberflächemeist über den Webdesigner
Laufende Pflegeregelmässige Updates von Kern, Theme und Pluginskaum; Hosting und SSL-Zertifikat im Auge behalten
Angriffsflächegrösser: Anmeldeseite, Datenbank, Pluginsklein: nur ausgelieferte Dateien
Ladezeitgut mit schlankem Theme und Cachingvon Grund auf schnell
Funktionenviele über Plugins, etwa Blog, Shop, BuchungenGrundfunktionen; Erweiterungen mit Programmieraufwand
Hostingmit PHP und Datenbankeinfaches Webhosting genügt
Laufende KostenWartung oder eigene Zeit, evtl. Lizenzentief; Änderungen nach Bedarf
Typischer EinsatzBlog, häufige Neuigkeiten, Shop, mehrere RedaktorenHandwerk, Praxis, Dienstleister mit stabilem Angebot

7. Wann WordPress die bessere Wahl ist

  • Sie möchten mehrmals im Monat Inhalte veröffentlichen, zum Beispiel News, Veranstaltungen oder Fachartikel.
  • Mehrere Personen sollen mit eigenem Zugang Inhalte bearbeiten.
  • Sie planen einen Online-Shop mit WooCommerce, einem kostenlosen Open-Source-Shop-Plugin für WordPress (wordpress.org).
  • Sie brauchen Funktionen, für die es bewährte Plugins gibt, etwa Mehrsprachigkeit oder Online-Buchungen.
  • Sie sind bereit, Updates selbst einzuspielen oder dafür eine Wartung einzuplanen.

8. Wann eine statische Website die bessere Wahl ist

  • Ihre Inhalte ändern sich nur ein paar Mal im Jahr.
  • Sie wollen sich nicht mit Updates, Plugins und Sicherheitsmeldungen befassen.
  • Tempo und Robustheit sind Ihnen wichtiger als ein eigenes Redaktionssystem.
  • Die Website soll vor allem informieren und zu Anfragen führen: Leistungen, Referenzen, Kontakt.
  • Sie möchten die laufenden Kosten möglichst tief halten.

Auch die Website, auf der Sie gerade lesen, ist statisch gebaut – ohne Datenbank, ohne Plugins und ohne Cookies. Für einen Auftritt, der vor allem Vertrauen schaffen und Anfragen auslösen soll, ist das für mich die passende Lösung.

9. Ehrlich betrachtet: Beides hat seine Berechtigung

WordPress ist nicht unsicher, und statische Websites sind nicht altmodisch. Beide Ansätze lösen unterschiedliche Aufgaben. Ein gut gepflegtes WordPress ist ein starkes Werkzeug für Betriebe, die viel kommunizieren. Eine statische Website ist die schlanke Lösung für Betriebe, die einen verlässlichen Auftritt wollen und sich um Technik nicht kümmern möchten.

Problematisch wird es erst, wenn die Bauweise nicht zur Nutzung passt: ein WordPress, das nach dem Launch niemand mehr aktualisiert, oder eine statische Website, bei der jede kleine Änderung zur Geduldsprobe wird. Denken Sie deshalb zwei, drei Jahre voraus. Ein späterer Wechsel ist möglich, bedeutet aber meist einen teilweisen Neubau. Falls Sie auch einen Website-Baukasten in Betracht ziehen, hilft Ihnen der Artikel Baukasten oder Webdesigner? weiter.

10. Checkliste für Ihre Entscheidung

  • Wie oft werde ich Inhalte ändern: wöchentlich, monatlich oder nur selten?
  • Will ich Änderungen selbst machen oder lieber abgeben?
  • Wer spielt Updates ein, und wer prüft danach, ob alles funktioniert?
  • Gibt es regelmässige Backups, und ist klar, wie sie zurückgespielt werden?
  • Brauche ich in den nächsten Jahren einen Shop, Buchungen oder weitere Sprachen?
  • Welche Lizenzen für Themes oder Plugins laufen jedes Jahr weiter?
  • Laufen Domain und Hosting auf meinen Namen?
  • Was kostet die Website inklusive Pflege über drei Jahre?

Welche Technik zu Ihrem Projekt passt, klären wir gemeinsam im Erstgespräch. Welche Bauweise zu Ihrem Betrieb passt, klären wir im kostenlosen Erstgespräch. Meine Pakete und die laufenden Kosten finden Sie auf der Preisseite, Beispiele meiner Arbeit unter Referenzen. Oder schreiben Sie mir direkt über das Kontaktformular.

Häufige Fragen

Ist WordPress unsicher?

Nicht grundsätzlich. Entscheidend ist die Pflege: WordPress, Theme und Plugins aktuell halten, ungenutzte Plugins löschen und Erweiterungen nur aus vertrauenswürdigen Quellen installieren. So empfiehlt es auch die offizielle Sicherheitsanleitung von WordPress.

Kann ich eine statische Website selbst bearbeiten?

Nicht per Mausklick wie bei WordPress. Änderungen erfolgen im Quelltext, deshalb übernimmt sie in der Regel Ihr Webdesigner. Für Websites, deren Inhalte sich nur selten ändern, ist das meist kein Nachteil.

Kann ich später von einer statischen Website zu WordPress wechseln?

Ja. Texte, Bilder und Gestaltung lassen sich übernehmen, die Technik wird aber neu aufgebaut. Das bedeutet einen teilweisen Neubau – planen Sie deshalb lieber zwei, drei Jahre voraus. Ihre Domain bleibt dieselbe.

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